Nachdem das letztes Jahr tatsächlich geklappt hat und ich mit meinem gelben Schlachtross nach Luxemburg gekommen bin, durfte es diesmal ein wenig ein kürzerer Weg sein, nämlich an den Balaton. Hintergrund dieses Ziels sind zwei missglückte Gruppenradlereien über den Donauradweg nach Budapest, weswegen diesmal ohne Donau und gleich in den Süden…
Erste Etappe Köszeg, knapp an der österreichischen Grenze. Die Strecke über Ebreichsdorf, Mattersburg, Oberpullendorf etc. recht gut zu fahren, angenehme Bundesstraßen (bezüglich Platz und Verkehrsaufkommen). Einzig den Beinen merkt man das diesmal etwas vernachlässigte Training an, weswegen die Hügeln und der Wind besonders biestig erscheinen. Aber insgesamt ein durchaus okayer erster Tag. Der zweite, und auch letzte, Tag gestaltet sich da ein wenig anders. Anfangs ebenfalls passable Bundesstraßen, wundert man sich plötzlich über Fahrrad-/Traktor-/Pferdefuhrwerksverbotsschilder. Da man allerdings ja zielbezogen fährt und sich nicht irgendwelchen Seitenstraßen verirren möchte (geschweige denn auf Radwegen, die zumindest ganz vereinzelt erkennbar waren…), werden die Verbote natürlich ignoriert und der Spass mit den LKWs, die ein Tempo unter 130 wohl nicht kennen und prinzipiell 10cm an der eigenen Nase vorbeidonnern, geht weiter. Dazu kommt ein Wind der sich gewaschen hat und einem doch hin und wieder die eigene Freakness in die Ohrwaschln reibt.
Besonders gehaltvoll wird das Verkehrsaufkommen vor und nach den größeren Städten, aber daraus lernen tut man natürlich nichts. Wenn man allerdings mal eine kleine Straße durch ein Dörflein entdeckt, mal kurz einen 35er-Schnitt anreisst oder auch bergauf seinen Rhythmus findet, so weiss man dann doch warum man sowas macht (oder so…).
Gleiches trifft zu, wenn sich einem in besagtem Dorf auf einmal ein Austria-Shop eröffnet. 20km vor dem Ziel (Keszthely), laut Tacho hättens nur mehr 10km sein sollen, dann auf einmal Sodom und Gomorrha - Regen (das Gegenteil von Niesel), Donner und, des Radfahrers Favorit, Blitz. Und das ganze mitten in einem Waldstück. Mit einem zugegebenermaßen malendem Stift in der Hose ein verlassenes Betonhäuschen entdeckt und dort mal eine halbe Stunde zugebracht. Die Überlegung, dort zu übernachten war nicht ganz so unkonkret (es war ca. 16.30). Letztendlich dann doch weitergefahren, bei Schweineregen und saumäßigem Verkehr. 6km vor dem Ziel dann das Highlight - auf meiner Straße hatte sich ein Unfall ereignet, wodurch meine Fahrspur für sicher 4km völlig frei war, währenddessen mir ein kilometerlanger Stau Spalier stand (ich war natürlich Informant für die Geschehnisse: “Unfall, accident, soundsoviele Kilometers!”).
Schließlich dann doch noch angekommen. Das nächste Mal entweder eine gemütliche Rundfahrt um den Neusiedlersee oder genug Kohle, um sich ein Fahrrad-GPS zu leisten…
Was braucht man also so alles?
- Fahrrad: KTM-Montainbike, Second Hand bei Money Point gekauft (hat glaub ich €120 gekostet). Um ca. €200 herrichten lassen - Gangschaltungs-, Bremsenüberholung, neues Tretlager.
- Reifen: Vredestein Moiree, sehr gute Straßenlage.
- Gepäcksträger: €40, kein besonderes Modell.
- Fahrradtaschen: €30 von Sports Experts, eine Tasche nach dem zweiten Tag aufgerissen. Nicht wasserfest, aber wofür gibts Müllsäcke…
- Gummiüberzieher als Regenschutz für die Schuhe. €20, aber sehr zu empfehlen!
- Helm: Bell Metropolis, schaut lustig aus und zumindest beim Anhaun bei diversen Richtungsschildern hat er gehalten.
- Sonnenbrille: Uvex, hat sich nach 6 Tagen komplett aufgelöst - an 3 Stellen gebrochen ohne dass sie mir runtergefallen ist.
- Bandana von Löffler: Immer um den Hals getragen, gegen Verkühlung und Gnackweh.
- Nokia 5230 mit Ovi Maps: Unbedingt auch eine normale Karte als Unterstützung mitnehmen. Wegen Übersicht und die Nokia Maps sind auch wenig für Radler ausgelegt.
- Noch ein altes Nokia Handy, falls Akku leer oder weiss der Teufel was.
- 3 Schläuche: NoName, hab keinen einzigen wechseln müssen.
- SKS Pumpe Rookie XL: Nix zu beanstanden.
- Gaffa: Zum Handy befestigen, Tasche flicken, Fahrkarten ankleben, Müllsäcke bei Regen befestigen etc..
- Ketospray für die Wehwehs am Abend.
- Handwaschmittel: Denk mit…
- Schuhe: 3 Jahre alte, komplett zerschlissen, tlw. mit Superkleber zusammengehaltene Pumas. Aber warum nicht.
- Radlerhose: Ziener (mit fescher Überhose).
- Handschuhe: Auch Ziener, stinken schnell ein bisserl, aber durchaus funktional.
- Powerriegel: In der Not häufig ein Retter.
- Radflasche: Die allerdings zu Hause vergessen.
- Moneypoint-Radwerkzeugset um €5.
- Fahrradöl: Neoval.
- Sonnencreme: Rinnt zwar köstlich runter, aber…
- Nähzeugtascherl: Hab meine Hose aber dann trotzdem knopflos gelassen.
- Schlafsack: Nicht gebraucht, bin auch nicht unfroh drüber.
- Gummispanner: Zum Spannen halt…
- Babypuder: Ohne Worte.
- Verbandszeug und Desinfektionsspray (zumindest für die Schuhe).
Inspiriert von grundsätzlichen Gedanken zu Listen in der faszinösen Abhandlung von Alltäglichkeiten unter http://inartissojo.com/blog/.
Also, was passiert so während eines Fahrradtrips?
1. Nein, man hat keine Zeit über Gott und die Welt nachzudenken. Die erste Hälfte des Tages ist man konzentriert und hat Aua, die zweite Hälfte des Tage ist man konzentriert, hat Aua und denkt sich: “Noh, der Kilometer könnt bald aufhören, sind ja eh nur mehr 60”.
2. Ja, man grüsst einen Grossteil der Radler, die einem entgegen kommen (sogar vereinzelt am Donauradweg). Mit vollem Herzen allerdings die, die einem kurz vor Aglasterhausen entgegenkommen und entsprechend abgezaht wie man selbst ausschaut.
3. Nein, ich fahr nicht mit Rennrad und HTC-Handy von Köln an den Bodensee. Nein, ich kann mich nicht erinnern ob die Brücke über den Rhein, von der ich vor 3 Minuten runtergekommen bin, einen Radweg hat. Und ja, du Arsch hast mich völlig in die falsche Richtung geschickt (nach Neustadt muss sicher in die Richtung gehn…).
4. Nein, man hat nicht viel Lust viele soziale Kontakte des Abends zu knüpfen. Zeitung suchen, Essen, Bier, Tour-Zusammenfassung.
5. Ja, 77 Euro sind auch im Hotel Ramadan in Neustadt sauteuer. Und nur weil ich mit meinen Müllsackerln ums Gepäck und Gummischuhüberzüge um kurz vor 22.00 ausschau wie Sau wäre es nett deinen “Whoa ich bin Nachtportier und so Penner wie du kommen uns da nicht rein”-Blick dir in den Arsch zu schieben. Dann doch lieber die Motelabsteige König Ludwig.
6. Ja, die komplette Luft meines Hinterreifens hab ich aus Wien mitgenommen.
7. Ja, ab einer gewissen Distanz fühlt man sich als Freak.
8. Ja, ab eines gewissen Grads an westlicher Fortschreitung fahren die AutofahrerInnen wie gesengte Schweine. Vor allem bergauf, wo man selbst eh schon in der Wiese klebt. Besonders beliebt sind mir diesbezüglich die Rumpeldinger auf den weissen Strassenaussenmarkierungen.
9. Ja, ich hab auf der luxemburgischen Tastatur das scharfe s nicht gefunden.
10. Ja, Powerriegel, Balisto und Cola helfen tatsächlich, nach dem dritten Tag speibt man sich aber fast davon an.
11. Ohne Wasser is es Oasch.
12. Nein, ich bin nicht mit den 9 Rennrad-Luxemburger-Begleitfahrzeug-Studibobos mitgefahren. Keep it real!
13. Nein, man hat nicht viel Zeit sich die Landschaft anzuschaun. Siehe Punkt 14.
14. Nein, die Landschaft, vor allem am Donauradweg, ist nicht immer super. Meistens eher fad.
15. Ja, frage viele Leute nach dem Weg. Sie sind zu 99% unglaublich hilfsbereit.
16. Karten auf Handys sind nur eingeschränkt zu empfehlen - sich so überblicksmässig zu orientieren, vor allem wenn man sich verfranzt hat, geht auf so einem Display eher mau. So normale, raschelnde Karten sind schon suppa. Auch wenns regnet.
17. Nein, verlass dich nie drauf, dass du mit dem Rad aus Stàdten schon irgendwie rauskommen wirst (bspw. aus Heidelberg). Die Autobahn und Schnellstrassen freuen sich schon auf dich!
18. Listen sind toll.
19. Die grössten Schmerzen hatte ich in der Pappn (Brandblase am Gaumen) und an den Händen (bzw. keine Schmerzen weil taub).
20. Harden the fuck up!
21. Man denkt nicht global ans Aufgeben sondern eher: “Fuck, wie komm ich da um halb 10 in der Nacht im Regen aus dieser Pampa wieder raus?”. Und vor allem: Wen sollte man denn anrufen? Feuerwehr? Rettung? ADAC?
22. Nein, ich fühl mich nicht als Teil einer Radler-Community. Radeln ist für mich weiterhin was zielbehaftetes.
23. Ja, auch ein revitalisiertes Moneypoint-KTM-Radl schafft sowas. Ohne Scheibenbremsen Schnickschnack und ein- und ausschaltbarer Federgabel.
24. Die Wampn bleibt trotzdem.
25. Telering sind Schwachmaten.
26. Seid beeindruckt.
27. Ohne Gaffa geht nix.
28. Radwege sind dazu erfunden worden Radfahrer zu verarschen (wenns in 3 Richtungen geht wàrs schon ein Hammer irgendwie zu markieren wies weitergeht).
hier ein grober überblick über die route.
More to come!
Wieder biestige Berge, werden jetzt größtenteils in einem, dem oberschenkelbrandeln tribut zollenden, kontrolliertem Tempo hochgefahren. Vielleiacht das letzte Mal Cola und Balisto als Tankstellenmittagsmenü.
Morgen, Kinder, gibts was!
Entweder Bundesstraße oder Berge. Mehr gibts da nicht. Und je weiter man kommt, desto seltsamer wird die Sprache. Alles mal wieder handgewaschen, wird morgen feucht im Plastiksackerl sicher weniger stinken.
Auf meine Nachfrage, wies denn so geht: Sowohl Arsch als auch Haxn gehts verhältnismäßig spritzig. Heute vormittag hat ich nur kurzzeitig das Gefühl, du würdest am Packerlträger sitzen (mit du ist moi gemeint, als kekskerl, 100 gut investierte Menschenkilos, jawohl!)
Regen und schwierig: Vom Papier her nette Etappe, ab Heidelberg wirds problematisch, mit dem Rad weiterzukommen, fast nur Autobahnen und Schnellstraßen. Auf irgendwelchen Feldwegen herumgehirscht, Radwege unglaublich schlecht ausgeschildert, Regen und Gatsch in einer Tour, Motelzimmer um kurz vor 22:00 Uhr gefunden. Dafür kurz beim Hockenheimring (F1-Rennwochenende!) vorbeigeschaut. Nice day, nice day.
Welcome hell, this is herr sebastian!
Zuerst das Wichtigste: Heute werden wahrscheinlich auch mal 5 Bier gezwickt und auch schon die ersten Tschik seit Tulln geraucht. Fantastische Tortour - nur Hügeln und Berge, Wind (bevorzugt in die Visage), Sauna (gefühlte 50 Grad) und nur Kaffs ( Ever heard of Dörzbach?!). Morgen Heidelberg vorbei und wenss rennt Neustadt an der Weinstraße.
Herr Sebastian ergänzt auf Anfrage, dass das nicht unbedingt Spaß gemacht haben dürfte:
“Und wie. Jeder Millimeter am Willheminenberg hat sich auszahlt. Dafür jetzt sehr entspannt. Hoffe ab Heidelberg is Schluss mit dem Auf und Ab Schaß.”
Überraschend reibungslos und motivierend heute. Schöner Ort, komische Sprache.
Ergänzender SMS - Verkehr:
“Angekommen und versteck mich grad vor einer alten Frau, die mir zwanghaft ein Zimmer andrehen mag. Nah. Die hat mich dann tatsächlich nochmal dawischt und mich angehupt. Die haben solche Hotel-Infohütten, wo die “Keiler” herumstehen (persönliche Ergänzung: Übernachtungsstrich!). Dafür hat mich grad ein 12-jähriger (woanders) eingecheckt. Mit einem Getränkeraum, wo man sich nehmen kann. Reicht nach blitzartigem Aufbruch morgen!”
ps: herr sebastians internetguthaben ist alle, ab jetzt übernimmt hier kekskerl und tippt die geschickten sms-ergüsse…
hundsgemeine berge, nach hemau sehr biestig. überteurtes und zellenartiges hotelzimmer in der innenstadt. ab morgen nur mehr gasthöfe in vororten. richtung rothenburg ob der tauber.
von den 180km ca. 80 davon umsonst. radweg r21 läuft zwar auch neben einem großen gewässer, allerdings der inn und nicht die donau. also 40km wieder zurück richtung passau, verfranzt, das radl neben der autobahnleitplanke durch dickicht gezaht, dann übern zaun gekraxelt, durch schlammwaldwege und wieder an den ausgangspunkt der orientierungslosigkeit zurück. dann mein held, ein einheimischer radler erbarmt sich meiner und fahrt ein stück mit mir mit. im endeffekt hab ich in vilshofen von passau schon 100km verbraten. dann eigentlich ein wunderschöner frühabend richtung bogen. kurz wieder zu einem gasthof zurückkoffert der eh keinen platz gehabt hat. jetzt doch noch ein sehr gemütliches hotel gefunden. morgen entweder ruhetag oder scheiss auf regensburg und direkt nach hilpoltstein. ist sogar näher.
heute 190km runtergefressen, 7km vor passau wegen regen und physischer uäh in einen überteuerten gasthof. draußen gewitter, und obwohl irgendwo im wald schallt eine dorf-technoparty rüber. mehr zu heute dann morgen.
so, die ersten paar seiten der ausgedruckten karten sind geschafft. heiß wars und 150km warns. fast komplett donauradweg, mit kekskerl-unterstützung bis melk. den beinen gehts überraschend gut, dafür dürft ich mir den gaumen vom fahrtwind verbrannt haben (weil immer die pappn offen). sitz jetzt vor pizza hollywood (ja, die gibts da auch) und warte auf meine spaghetti carponara. morgen nachmittag solls gewittern. Na prost mahlzeit.